Eine Elterninitiative unter dem Motto „Schau nicht weg“

Wie alles begann….

Schuljahr 2005/06, ein Oberstufenschüler der Kundmanngasse wird in der U-Bahn Station Rochusgasse von mehreren Jugendlichen überfallen und beraubt – Menschen steigen aus den ankommenden U-Bahnen, aber niemand greift ein oder holt Hilfe. Der Schock in der Schulgemeinschaft sitzt tief: Wie ist so etwas möglich? Schnell ist klar: So etwas soll nicht mehr vorkommen, hier muss gegengesteuert werden! Das einschneidende Ereignis führte in der Folge zu mehreren Maßnahmen wie der Organisation von Selbstverteidigungskursen, Vorträgen für Eltern, der Herausgabe einer Broschüre (mittlerweile digital), der Etablierung einer Website und zum TAG DER ZIVILCOURAGE, der einmal jährlich jeweils am Donnerstag vor den Semesterferien stattfindet. Einen ganzen Vormittag lang beschäftigt sich die gesamte Schule im Rahmen von Workshops, Exkursionen, Vorträgen und Filmvorführungen mit dem Thema des Einsatzes für das gesellschaftliche Miteinander.

Die Veranstaltung bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu sehen, wie engagierte Menschen in unserer Gesellschaft etwas bewegen und durch ihren Einsatz die Welt in der wir leben positiv mitgestalten.

Die Befähigung zum Auftreten gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit, das Überdenken eigener Standpunkte, das Kennenlernen der Positionen anderer und deren Akzeptanz sowie das Aushandeln von Kompromissen gehören ebenso wie das Bewusstmachen von Klischees und Stereotypen zu den Themenbereichen, die auf unterschiedliche Weise behandelt werden.

Ziel war und ist die Sensibilisierung aller Schulpartner, insbesondere der Schülerinnen und Schüler für das Thema Zivilcourage, das wir als „das Auftreten des Einzelnen gegen oder für die vorherrschende Meinung, um persönliche Werte oder die Werte der Allgemeinheit ohne Rücksicht auf sich selbst zu vertreten“ verstehen. Dabei geht es insbesondere um die Reflexion über die Werte, die die Gesellschaft und vor allem die Jugendlichen heute beschäftigen und die Frage welche davon es überhaupt wert sind, verteidigt zu werden und in welcher Weise dies geschehen kann. In erster Linie stehen hier folgende Werte im Vordergrund: Demokratie, Menschenrechte, Empathie, Hilfsbereitschaft und Solidarität.

Folgende Schwerpunkte und Organisationen, die zu diesen Themen am Tag der Zivilcourage vertreten waren, seien hier beispielhaft aufgeführt:

Anders sehen

Ein Hund in der Schule? Ja! Wenn am TdZC blinde oder stark sehbeeinträchtigte Referentinnen und Referenten den Jugendlichen ihre besondere „Sicht“ auf die Welt vermitteln und im wahrsten Sinne des Wortes zu einem „Perspektivenwechsel“ anregen, ist die eine oder der andere in Begleitung eines speziell ausgebildeten Blindenhundes unterwegs, dessen Arbeit von den Schülerinnen und Schülern mit Interesse verfolgt wird. Die eigene „Sicht“ der Dinge zu hinterfragen und Verständnis und Empathie zu entwickeln ist ein Ziel dieses Workshops.

Arja, Susanne, Blinder und Hund
Bilndenhund

projektXchange

projektXchange BotschafterInnen sind engagierte Menschen aus den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft und haben unterschiedliche kulturelle/geographische Wurzeln. Sie setzen mit ihren Geschichten Akzente für einen Zugang zu interkulturellem Verständnis. Sie möchten Kindern und Jugendlichen einen neuen, erweiterten Blick auf die Welt ermöglichen und sie offener für die Begegnung mit anderen Kulturen machen.

projektXchange

Rettungsdienste

Stabile Seitenlage, Mund-zu-Mund-Beatmung oder Herzdruckmassage an einer Puppe, Erste-Hilfe Maßnahmen gehören zu den essentiellen Aufgaben von Rettungsdiensten. In diese werden die Schülerinnen und Schüler am TdZC eingeführt, ebenso erfolgt die Erkundung eines Rettungswagens und seiner Ausrüstung. Ein besonderes Highlight zu diesem Thema ist 2019 der gemeinsame Aufbau eines Camps durch die sechsten Klassen unter fachkundiger Anleitung der Freiwilligen des Roten Kreuzes auf dem Sportplatz der Schule. In diesen Zeltlagern können im Katastrophenfall viele Menschen versorgt oder untergebracht werden, ihre Einsatzorte liegen auf der ganzen Welt verteilt.

Tanzworkshop mit dem Team von „Ich bin ok“

Tanzen verbindet und Tanzen verändert! Die Organisation „ich bin ok“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit und ohne Behinderung in das kulturelle Leben einzubinden und durch künstlerische Tätigkeit gesellschaftliche Inklusion voranzutreiben. In einem Workshop vermitteln Jugendliche mit Beeinträchtigungen und Tanzpädagogen ihre Begeisterung und erarbeiten gemeinsam mit einer Schülergruppe eine Choreographie.

Tanzworkwhop "Ich bin ok"
Tanzworkshop "Ich bin ok"  mit dem Bundespräsidenten Alexander van der Bellen

Prävention

Nur durch einen Strohhalm atmend durchs Schulgebäude laufen und dabei die Treppen hinauf- und hinuntersteigen erzeugt einen ähnlichen Effekt wie den der Belastung der Lungen durch Rauchen. Eine „Rauschbrille“ vermittelt einen Eindruck von den Auswirkungen des Alkoholkonsums auf das Gleichgewichtsgefühl, die Einschätzung von Abständen und die Beeinträchtigung des räumlichen Sehens. Nur zwei Beispiele für die verschiedenen Aktivitäten, die dazu dienen, am eigenen Leib zu erfahren, welche Konsequenzen Rauchen und Alkohol haben können und einen Anstoß geben, über diese Erfahrungen nachzudenken und sein Verhalten danach zu richten.

Praevention

Für dich da

Mit der Aktion der Wiener Kaufleute werden am TdZ die ersten Klassen der Kundmanngasse vertraut gemacht, da die Schülerinnen und Schüler dieser Altersgruppe beginnen ohne elterliche Begleitung unterwegs zu sein. Für sie ist ein Schild an der Tür oder dem Schaufenster eines Geschäfts oft ein wertvoller Hinweis, dass sie sich an diesem Ort im Bedarfsfall Hilfe und Unterstützung holen können.

Logo "Für dich da" - Dieser Betrieb hilft Kindern
"Für dich da" - Dieser Betrieb hilft Kindern

Selbstverteidigung

Einblicke in die Möglichkeiten zur Selbstverteidigung wurden im Verlauf der Jahre von unterschiedlichen Institutionen angeboten. Im Turnsaal wird dabei lautes Schreien ebenso geprobt wie das richtige Fallenlassen, hilfreiche Kniffe und Griffe, um sich bei Bedarf zur Wehr setzen oder der Lage entziehen zu können. Klassische Selbstverteidigung wird hier neben Techniken wie z.B. Aikido vorgestellt.

Selbstverteidigung
Selbstverteidigung Aikido

Künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Schau nicht weg“

In Zusammenarbeit mit den Lehrkräften für Bildnerische Erziehung und Werken fanden immer wieder Wettbewerbe statt, die die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Motto „Schau nicht weg“ zum Ziel hatten. Ausgehend von einem Zeichenwettbewerb bei dem es um die Darstellung eines Auges als Symbol des Schauens ging, entwickelten sich im Lauf der Zeit spannende Werke in Form von Bildgeschichten, Fotocollagen und Installationen, die von einer Jury begutachtet und prämiert wurden.

Exkursionen

Was passiert eigentlich im Integrationshaus? Wofür ist die Vinzirast da? Und welche Aufgaben nimmt das Außenministerium wahr? Diese und ähnliche Fragen können bei Besuchen diversen Institutionen während des TdZC geklärt werden.

Besuch im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten:

Hier erfahren die Schülerinnen und Schüler der siebenten Klasse wie sich Österreich im Ausland engagiert, was es für Möglichkeiten gibt, wenn man einem fremden Land ein Problem hat und welche Auswirkungen Vorgänge in anderen Ländern auf das Leben in Österreich haben können.

Exkursion Aussenministerium

Zeitungsprojekt

Nachdem die „Schau nicht weg“ – Zeitung in den ersten Jahren durch das Elternteam in Papierform erstellt wurde, wird diese seit 2018 von einem Schülerteam unter fachkundlicher Anleitung eines Journalisten in elektronischer Form erstellt. Hierzu führen die Jugendlichen selbst Interviews, fotografieren während des TdZC, recherchieren und feilen an ihren Berichten und Artikeln, die dann im Internet unter www.schaunichtweg.at abrufbar sind.

Zeitungsprojekt
Bundespräsident Alexander van der Bellen mit Schülern des GRG3 Kundmanngasse

Hoher Besuch

Der Tag der Zivilcourage 2019 wurde durch den Besuch des Herrn Bundespräsidenten Dr. Alexander Van der Bellen und seiner Frau Doris Schmidbauer geehrt, die sich von der Initiative begeistert zeigten und sehr anerkennende Worte für das Engagement aller Beteiligten fanden.

Team 2019 mit Bundespräsident Alexander van der Bellen
v.li.: Doris Schmidauer, Verena Reinisch, Elizabeth Sacken, Eva Röthler, Angelika Brunar, Arja Krauchenberg, Bundespräsident Van der Bellen, Gerry Foitik, Rosario de Pribyl, Gerald Pribyl, Susanne Lakatha, Dir. Waldmann; Foto: Peter Lechner/HBF